Autor: jonasfuchs

  • Studien zu digitaler Barrierefreiheit

    Studien zu digitaler Barrierefreiheit

    Digitale Barrierefreiheit wird häufig als Spezialthema betrachtet.
    Oder als reine gesetzliche Verpflichtung.

    Dabei zeigen zahlreiche Studien seit Jahren:

    Barrierefreiheit verbessert nicht nur Zugänglichkeit – sondern oft auch Usability, Conversion, Reichweite und Nutzerzufriedenheit.

    Accessibility betrifft deshalb nicht nur einzelne Nutzergruppen.
    Sie beeinflusst die Qualität digitaler Produkte insgesamt.

    Dieser Artikel fasst wichtige Erkenntnisse aus Studien, Untersuchungen und Branchenanalysen rund um digitale Barrierefreiheit zusammen.


    Warum Studien zu Accessibility wichtig sind

    Viele Diskussionen über Accessibility basieren auf Annahmen:

    • „Das betrifft nur wenige Menschen.“
    • „Das ist zu teuer.“
    • „Das brauchen wir später.“
    • „Das schränkt Design ein.“

    Studien helfen dabei, Accessibility greifbarer zu machen:

    • mit Zahlen
    • mit Nutzerverhalten
    • mit realen Auswirkungen
    • mit wirtschaftlichen Effekten

    Der „Click-Away Pound“: Wenn Nutzer einfach abspringen

    Eine der bekanntesten Studien zur wirtschaftlichen Bedeutung digitaler Barrierefreiheit ist der:

    Click-Away Pound Survey

    Die britische Studie untersucht seit Jahren, wie Menschen mit Einschränkungen Online-Shopping erleben – und welche Folgen schlechte Accessibility für Unternehmen hat.

    Die Ergebnisse sind deutlich.


    Milliardenverluste durch schlechte Accessibility

    Laut der Click-Away Pound Studie 2019 verlassen rund:

    • 69 % der Menschen mit Zugangshürden
    • Webseiten mit Accessibility-Problemen sofort wieder.

    Die geschätzte wirtschaftliche Auswirkung:

    £17,1 Milliarden verlorener Umsatz pro Jahr allein in Großbritannien.

    Bereits die Studie von 2016 sprach von:

    £11,75 Milliarden verlorenem Umsatz.

    Das zeigt:
    Nicht zugängliche Produkte schließen nicht nur Menschen aus – sondern auch potenzielle Kunden.


    Nutzer wechseln zu barriereärmeren Alternativen

    Die Studien zeigen außerdem:
    Menschen mit Zugangshürden bleiben oft bewusst bei Plattformen, die besser nutzbar sind.

    83 % der Befragten gaben an, bevorzugt Websites zu nutzen, die sie bereits als zugänglich kennen.

    Noch interessanter:
    Viele Nutzer akzeptieren sogar höhere Preise, wenn die Nutzung einfacher und zugänglicher ist.

    Accessibility wird damit zu einem echten Wettbewerbsfaktor.


    Die häufigsten Probleme laut Click-Away Pound

    Die Studien zeigen immer wieder ähnliche Barrieren:

    • überladene Seiten
    • schlechte Navigation
    • unklare Formulare
    • schlechte Lesbarkeit
    • fehlende Tastaturbedienung
    • Probleme mit Screenreadern
    • störende Animationen
    • schlechte Kontraste

    Auffällig dabei:
    Viele dieser Probleme verschlechtern gleichzeitig die allgemeine User Experience.


    Barrierefreiheit betrifft deutlich mehr Menschen als oft angenommen

    Eine wichtige Erkenntnis vieler Studien:

    Accessibility betrifft nicht nur eine kleine Minderheit.

    Menschen erleben Barrieren:

    • dauerhaft
    • temporär
    • situationsbedingt

    Permanente Einschränkungen

    Zum Beispiel:

    • Blindheit
    • Sehschwächen
    • motorische Einschränkungen
    • Hörbehinderungen

    Temporäre Einschränkungen

    Zum Beispiel:

    • gebrochener Arm
    • Augenoperation
    • Konzentrationsprobleme
    • Müdigkeit

    Situative Einschränkungen

    Zum Beispiel:

    • Sonne auf dem Display
    • Nutzung mit einer Hand
    • laute Umgebung
    • schlechte Internetverbindung

    Viele Accessibility-Prinzipien helfen deshalb deutlich mehr Menschen als ursprünglich angenommen.


    Studien zeigen: Viele Websites bleiben schwer nutzbar

    Untersuchungen wie der:

    WebAIM Million Report

    zeigen seit Jahren ähnliche Probleme auf Millionen Websites:

    • fehlende Alternativtexte
    • schlechte Kontraste
    • unklare Formulare
    • fehlerhafte Überschriftenstruktur
    • fehlende Labels

    Viele dieser Probleme wären technisch relativ einfach vermeidbar.


    Gute Accessibility verbessert Conversion

    Mehrere UX- und E-Commerce-Studien zeigen:

    Barriereärmere Interfaces führen oft zu besseren Conversion-Raten.

    Warum?

    Weil gute Accessibility häufig bedeutet:

    • weniger Frustration
    • klarere Prozesse
    • bessere Orientierung
    • verständlichere Inhalte
    • geringere kognitive Belastung

    Das hilft nahezu allen Nutzern.


    Verständlichkeit reduziert Abbrüche

    Forschung zu kognitiver Belastung zeigt:
    Menschen erfassen Inhalte besser, wenn Interfaces:

    • visuell ruhig
    • klar strukturiert
    • konsistent
    • verständlich formuliert

    sind.

    Accessibility fördert genau diese Eigenschaften.


    Gute Kontraste helfen fast allen

    Studien zur Lesbarkeit zeigen:
    Gute Kontraste verbessern:

    • Lesegeschwindigkeit
    • Orientierung
    • mobile Nutzung
    • Fehlererkennung

    Nicht nur für Menschen mit Sehschwächen.

    Zum Beispiel auch:

    • bei Sonnenlicht
    • auf schlechten Displays
    • bei Müdigkeit
    • unter Stress

    Untertitel werden viel häufiger genutzt als gedacht

    Untersuchungen zu Videonutzung zeigen:
    Untertitel werden nicht nur von gehörlosen Menschen genutzt.

    Sondern auch:

    • unterwegs ohne Ton
    • in öffentlichen Verkehrsmitteln
    • beim Sprachenlernen
    • beim schnellen Konsum von Inhalten

    Accessibility-Features werden dadurch oft Mainstream-Features.


    Accessibility verbessert SEO

    Viele Accessibility-Maßnahmen verbessern gleichzeitig:

    • semantische Struktur
    • Inhaltsverständlichkeit
    • HTML-Qualität
    • Navigierbarkeit

    Und damit häufig auch die Auffindbarkeit über Suchmaschinen.

    Einige Unternehmen berichten nach Accessibility-Optimierungen sogar von:

    • besserem Ranking
    • geringeren Absprungraten
    • längerer Verweildauer.

    Accessibility reduziert Support-Aufwand

    Branchenanalysen zeigen:
    Schlecht nutzbare Interfaces erzeugen:

    • mehr Rückfragen
    • mehr Support-Tickets
    • mehr Unsicherheit
    • mehr Kaufabbrüche

    Barriereärmere Produkte reduzieren diese Probleme oft deutlich.


    Accessibility verbessert mobile Nutzung

    Viele Accessibility-Prinzipien überschneiden sich direkt mit Mobile UX:

    • große Touchflächen
    • klare Navigation
    • einfache Sprache
    • reduzierte Komplexität

    Deshalb fühlen sich barrierefreie Interfaces häufig intuitiver an.


    Studien zeigen wirtschaftliche Vorteile

    Die Summe vieler Studien zeigt:
    Accessibility verbessert oft:

    • Reichweite
    • Conversion
    • Kundenzufriedenheit
    • Markenwahrnehmung
    • SEO
    • Produktqualität

    Accessibility ist deshalb nicht nur soziale Verantwortung.
    Sondern häufig auch wirtschaftlich sinnvoll.


    Accessibility ist kein Randthema

    Die Forschung zeigt immer deutlicher:
    Barrierefreiheit beeinflusst:

    • UX
    • Produktqualität
    • Conversion
    • Kundenzufriedenheit
    • Vertrauen
    • digitale Teilhabe

    Digitale Barrierefreiheit ist deshalb kein isoliertes Spezialgebiet.

    Sie ist ein zentraler Bestandteil guter digitaler Produkte.


    Fazit

    Studien wie der Click-Away Pound Survey zeigen eindrucksvoll:
    Schlechte Accessibility kostet nicht nur Nutzerfreundlichkeit – sondern auch Vertrauen, Reichweite und Umsatz.

    Barrierefreie Produkte helfen nicht nur einzelnen Nutzergruppen.
    Sie verbessern häufig:

    • Klarheit
    • Verständlichkeit
    • Orientierung
    • Robustheit
    • Nutzerzufriedenheit insgesamt

    Accessibility ist deshalb weit mehr als Compliance oder gesetzliche Pflicht.

    Sie ist ein Qualitätsmerkmal guter User Experience.

  • Entscheidungshilfe: Bilder dekorativ oder informativ?

    Entscheidungshilfe: Bilder dekorativ oder informativ?

    Bilder sind ein zentraler Bestandteil digitaler Produkte. Sie schaffen Aufmerksamkeit, transportieren Emotionen und helfen dabei, Inhalte verständlicher zu machen. Gleichzeitig gehören Bilder zu den häufigsten Accessibility-Problemen im Web.

    Eine der wichtigsten Fragen dabei lautet:

    Ist ein Bild dekorativ oder informativ?

    Die Antwort entscheidet darüber, ob ein Bild einen Alternativtext benötigt – und wie dieser aussehen sollte.

    Dieser Artikel hilft dabei, Bilder korrekt einzuordnen und typische Fehler zu vermeiden.

    Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

    Menschen, die Screenreader nutzen oder Bilder nicht sehen können, sind auf Alternativtexte angewiesen.

    Ein schlecht eingesetzter Alt-Text kann dabei genauso problematisch sein wie ein fehlender Alt-Text:

    • unnötige Informationen stören die Nutzung
    • wichtige Informationen gehen verloren
    • Inhalte werden unverständlich
    • Navigation wird anstrengender

    Deshalb gilt:

    Nicht jedes Bild braucht einen Alt-Text. Aber jedes Bild braucht eine bewusste Entscheidung.

    Der wichtigste Gedanke zuerst

    Stelle dir immer folgende Frage:

    Haben sehende Menschen durch dieses Bild Informationen, die anderen sonst fehlen würden?

    Wenn die Antwort „Nein“ lautet, ist das Bild meist dekorativ.
    Wenn die Antwort „Ja“ lautet, ist es informativ.

    Dekorative Bilder

    Dekorative Bilder dienen ausschließlich dem visuellen Erscheinungsbild.

    Sie:

    • vermitteln keine zusätzlichen Informationen
    • unterstützen lediglich die Gestaltung
    • erzeugen Atmosphäre oder Emotionen

    Typische Beispiele:

    • Hintergrundbilder
    • dekorative Icons
    • Stockfotos ohne Informationswert
    • visuelle Trennelemente
    • reine Illustrationen ohne Kontextrelevanz

    Beispiel: Dekoratives Bild

    Eine Landingpage zeigt ein Foto von zwei lachenden Menschen neben einem bereits vollständig beschriebenen Werbetext.

    Die Bildinformation ist für das Verständnis nicht notwendig.

    In diesem Fall:

    alt=""

    Das Bild wird von Screenreadern ignoriert – genau das ist hier gewünscht.

    Informative Bilder

    Informative Bilder enthalten zusätzliche Informationen, die nicht bereits vollständig im Text vorkommen.

    Dazu gehören:

    • Diagramme
    • Infografiken
    • Screenshots
    • erklärende Fotos
    • Produktbilder
    • Schaubilder
    • interaktive Icons
    • Bilder mit Textinhalten

    Beispiel: Produktbild

    Ein Smartphone wird gezeigt, um Design, Farbe oder Kameraanordnung zu erklären.

    Dann reicht ein leeres alt="" nicht aus.

    Beispiel:

    alt="Produktfoto: Smartphone mit grünem Gehäuse und Triple-Kamera auf der Rückseite."

    Entscheidungsbaum für Bilder

    Eine einfache Entscheidungshilfe:

    1. Hat das Bild einen funktionalen oder informativen Zweck?

    Nein

    → dekorativ
    alt=""

    Ja

    → weiter zu Frage 2

    2. Enthält das Bild Informationen, die nicht bereits im Text stehen?

    Nein

    → oft trotzdem dekorativ
    alt=""

    Ja

    → informativer Alt-Text notwendig

    Häufige Fehler bei Alt-Texten

    ❌ „Bild von …“

    Screenreader kündigen Bilder bereits als Bild an.

    Schlecht:

    alt="Bild von einem Smartphone"

    Besser:

    alt="Smartphone mit grünem Gehäuse und Triple-Kamera"

    ❌ Zu viele Details

    Alt-Texte sollten relevante Informationen vermitteln – keine vollständige Bildanalyse.

    Nicht hilfreich:

    alt="Eine Frau mit blauen Schuhen sitzt auf einem grauen Stuhl neben..."

    Frage dich:

    Welche Information ist im aktuellen Kontext wirklich wichtig?

    ❌ Doppelte Informationen

    Wenn dieselbe Aussage bereits direkt neben dem Bild steht, ist zusätzlicher Alt-Text oft unnötig.

    Das reduziert unnötige Wiederholungen für Screenreader-Nutzer.

    Sonderfall: Icons

    Icons sind besonders häufig problematisch.

    Dekorative Icons

    Wenn die Bedeutung bereits im Text enthalten ist:

    <button>
    🔍 Suche
    </button>

    Das Icon selbst benötigt keine zusätzliche Beschreibung.

    Funktionale Icons ohne sichtbaren Text

    Dann braucht das Element einen zugänglichen Namen:

    aria-label="Suche öffnen"

    Sonderfall: Screenshots

    Screenshots sind fast immer informativ.

    Besonders problematisch:

    • Screenshots mit Text
    • UI-Anleitungen
    • Fehlermeldungen
    • Konfigurationsdialoge

    Wichtig:

    • relevante Inhalte beschreiben
    • Kontext erklären
    • nicht jede visuelle Kleinigkeit aufzählen

    Ein hilfreicher Perspektivwechsel

    Eine gute Frage im Designprozess lautet:

    Was würde fehlen, wenn jemand dieses Bild nicht sehen kann?

    Genau diese Information gehört – wenn nötig – in den Alt-Text.

    Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

    Fazit

    Die Entscheidung zwischen dekorativen und informativen Bildern ist keine technische Kleinigkeit. Sie beeinflusst direkt, wie zugänglich und verständlich digitale Produkte für viele Menschen sind.

    Die wichtigste Erkenntnis:

    • Nicht jedes Bild braucht einen Alt-Text.
    • Aber jedes Bild braucht eine bewusste Entscheidung.

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